Hilf mit, eine bessere Zukunft für Nutztiere in der EU zu schaffen!

Humane Society International


Jo-Anne McArthur/Essere Animali

Einst war die Europäische Union ein Vorbild für den Rest der Welt, wenn es um den Tierschutz ging, aber leider ist der Fortschritt in den letzten Jahrzehnten ins Stocken geraten.

Die Tierschutzvorschriften, die die EU um die Jahrhundertwende eingeführt hat, sind inzwischen stark veraltet und unvollständig und werden den Bedürfnissen von Milliarden empfindungsfähiger Lebewesen, die in der EU zur Lebensmittelgewinnung gehalten und getötet werden, nicht gerecht.

Zum Glück gibt es positive Signale: Die Europäische Kommission hat sich kürzlich verpflichtet, die bestehenden EU-Tierschutzvorschriften bis 2023 zu überarbeiten und sie mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Tierschutz in Einklang zu bringen sowie den Geltungsbereich der EU-Vorschriften zum Schutz der Tiere zu erweitern.

Die Kommission hat eine öffentliche Konsultation gestartet, in der die Bürgerinnen und Bürger gefragt werden, was sie über den Tierschutz denken und welche Vorschriften verbessert werden müssen. Du als EU-Bürger kannst mitreden und die Zukunft des Tierschutzes mitgestalten.

Wir brauchen so viele Tierschützer wie möglich, die diese Gelegenheit nutzen, um der Kommission mitzuteilen, dass wir die strengsten Vorschriften für Nutztiere in Europa wollen.

Auch diejenigen, die den Status quo beibehalten und Nutztiere weiterhin unter unzureichenden Bedingungen leben lassen wollen, werden sich Gehör verschaffen werden. Wir Tierschützer müssen noch lauter sein!

Hier geht es zur Konsultation

Um den Fragebogen der Kommission ausfüllen zu können, musst Du Dich auf der Website der Europäischen Kommission registrieren. Eine E-Mail mit einem Aktivierungslink für Deine Registrierung wird an die von Dir angegebene E-Mail-Adresse gesendet. Der Fragebogen der Kommission selbst ist recht komplex und kann etwas verwirrend sein. Wenn Du nicht sicher bist, wie Du antworten sollst, hilft Dir Humane Society International/Europe gerne weiter.

Im Folgenden stellen wir unsere eigene Vision zu den in dieser Umfrage angesprochenen Themen vor. Wenn dies Deine Vision für die Zukunft der landwirtschaftlichen Nutztiere in Europa ist, haben wir diesen Leitfaden erstellt, der Dir Vorschläge zum Ausfüllen des Fragebogens macht. Die öffentliche Konsultation wird bis zum 21. Januar 2022 geöffnet sein.

Der Fragebogen zur öffentlichen Konsultation ist in 5 Kapitel unterteilt:

  • Tierschutzstandards in der EU
  • Tierschutz beim Transport
  • Tierschutz in landwirtschaftlichen Betrieben
  • Tierschutz zum Zeitpunkt der Tötung
  • Tierschutzkennzeichnung

Tierschutzstandards in der EU

In den letzten zehn Jahren gab es keine Fortschritte bei der Weiterentwicklung der EU-Tierschutznormen über die um die Jahrhundertwende erlassenen Rechtsvorschriften hinaus.

Während für alle Tiere, die in der EU zu Produktionszwecken gehalten werden, ein grundlegendes Schutzniveau im Betrieb sowie beim Transport und bei der Schlachtung gilt, gibt es nur für Legehennen, Masthühner, Schweine und Kälber artspezifische Normen. Und selbst diese Schutzmaßnahmen sind inzwischen veraltet und müssen mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Tierschutz in Einklang gebracht werden.

Gemeinsame Vorschriften für den Tierschutz bedeuten auch, dass die Landwirte überall in der EU unter gleichen Bedingungen arbeiten können. Die Erzeuger behaupten oft, dass die Einhaltung dieser Vorschriften lästig sei, aber der Schutz der Tiere in ihrer Obhut sollte immer Priorität haben. Das Wohlergehen der Tiere ist notwendig, um eine gute Tiergesundheit zu erreichen.

HSI/Europe ist der Ansicht, dass die EU dringend die bestehenden Tierschutznormen aktualisieren und den Geltungsbereich der Rechtsvorschriften erweitern muss, um sicherzustellen, dass es Vorschriften für alle Tierarten gibt, die zur Nahrungsmittelgewinnung gehalten werden. Dies muss auch ein Ende der Käfighaltung für alle Nutztiere beinhalten.

Tierschutz beim Transport

Jedes Jahr werden Hunderttausende von Nutztieren über weite Strecken quer durch Europa und darüber hinaus transportiert, hauptsächlich um dann geschlachtet zu werden. Auf dieser langen Reise zum Schlachthof erleiden sie unvorstellbaren und unnötigen Stress und schreckliches Leid.

Es gibt zwar EU-Vorschriften für den Transport lebender Tiere, doch sind diese unzureichend, veraltet und werden von vielen Mitgliedstaaten nur unzureichend umgesetzt. HSI/Europe ist der Meinung, dass eine maximale Transportdauer eingeführt werden sollte und dass spezifischere Anforderungen für den Transport verschiedener Tierarten erforderlich sind. Der Transport von nicht abgesetzten Kälbern und anderen gefährdeten Tieren sollte verboten werden.

Wichtig ist auch, dass die Ausfuhr von lebenden Tieren in Nicht-EU-Länder sowohl zur Schlachtung als auch zur Zucht verboten wird. Immer wieder wurden die schrecklichen Bedingungen für Tiere aufgedeckt, die auf dem Land- und Seeweg zur Schlachtung z. B. in den Nahen Osten transportiert werden. Tiertransporte bleiben auch regelmäßig tagelang an den EU-Grenzen stecken und lassen die Tiere bei hohen Temperaturen leiden. Das muss ein Ende haben.

Tierschutz in landwirtschaftlichen Betrieben

Milliarden Tiere, die in den landwirtschaftlichen Betrieben der EU gehalten werden, verdienen eine bessere Behandlung. HSI/Europe ist der festen Überzeugung, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Käfighaltung von Nutztieren, wie z. B. Legehennen, innerhalb von maximal 5 Jahren abzuschaffen.

Verstümmelungen, wie Schwanzkupieren, Schnabelkürzen, Enthornung und Ferkelkastration, sollten EU-weit verboten werden. Diese Praktiken sind grausam und unnötig.

Vielen Verbrauchern ist auch gar nicht bewusst, dass es keine artspezifischen EU-Tierschutznormen für Milch- oder Mastrinder gibt, geschweige denn für Schafe, Ziegen, Kaninchen, Puten, Enten, Gänse oder Zuchtfische. Das muss sich ändern. Wir brauchen Standards, die auf die Bedürfnisse jeder Tierart zugeschnitten sind, die zur Lebensmittelproduktion gehalten wird. Auch für importierte tierische Erzeugnisse sollten die EU-Tierschutzanforderungen gelten.

Was HSI/Europe NICHT will, sind Tierschutznormen für Nerze, Füchse und Marderhunde, da die Schaffung von Mindestnormen für Tiere, die für Pelze gezüchtet werden, der Pelzindustrie Legitimität verleihen würde. Es ist nicht möglich, ein gutes Wohlergehen von Tieren in Pelzfarmen zu erreichen. Die Haltung von Tieren ausschließlich zum Zweck der Pelzproduktion ist ethisch inakzeptabel und von Natur aus inhuman. Diese Praxis ist bereits in vielen EU-Mitgliedstaaten aus Gründen des Tierschutzes verboten.

Abgesehen von der Regulierung des grenzübergreifenden Handels mit Hunden und Katzen wird die Gesetzgebung für das Wohlergehen dieser Haustierarten im Allgemeinen als Zuständigkeit der EU-Mitgliedstaaten angesehen. HSI/Europe ist jedoch überzeugt, dass harmonisierte EU-Vorschriften sowohl für die kommerzielle Zucht von Hunden und Katzen als auch für den Betrieb von Tierheimen hilfreich sein könnten, um Tierschutzprobleme zu vermeiden.

Tierschutz zum Zeitpunkt der Tötung

Die EU-Vorschriften zum Schutz der Tiere zum Zeitpunkt der Tötung sind veraltet und müssen mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang gebracht werden. Die elektrische Wasserbadbetäubung sowie die Verwendung von CO2 als Betäubungsmethode bei Schweinen müssen unbedingt verboten werden. Schlachthöfe sollten auch keine Elektroschocks mehr verwenden dürfen.

Wichtig ist auch, dass spezielle Tierschutzvorschriften für das Töten von Zuchtfischen eingeführt werden. HSI/Europe ist auch der Ansicht, dass die systematische Tötung männlicher Eintagsküken EU-weit verboten werden sollte. Diese obszöne Praxis rührt daher, dass diese Babyvögel in der Geflügelindustrie als wirtschaftlich nutzlos gelten. Inzwischen ist es auch möglich, das Geschlecht von Küken bereits als Embryo zu bestimmen.

Kennzeichnung des Tierschutzes

Es ist wichtig, dass die Verbraucher in der Lage sind, beim Kauf von tierischen Produkten eine fundierte Entscheidung zu treffen. Jedes EU-Kennzeichnungssystem sollte jedoch aussagekräftig sein und muss Informationen über die Produktionsmethode, mit der die Tiere gehalten werden, sowie über die Tierschutzstandards, unter denen die Tiere gehalten wurden, einschließen.

HSI/Europe vertritt die Auffassung, dass ein EU-Tierschutzlabel für alle Erzeugnisse tierischen Ursprungs gelten sollte, nicht nur für Tiere, die in Käfighaltung gehalten werden (die ohnehin gänzlich verboten werden sollte). Auch umfassendere Tierschutzkriterien müssen in ein EU-Tierschutzlabel aufgenommen werden. Es ist wichtig, dass die Verbraucher nicht nur über die Produktionsmethode informiert sind, sondern auch darüber, wo die Tiere geboren, aufgezogen und geschlachtet wurden.

Hier geht es zur Konsultation

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